Ortsgruppe Mittleres Kinzigtal

Flockenstieliger Hexenröhrling Neoboletus luridiformis

 (Karin Pätzold)

Der Flockenstielige Hexenröhrling Neoboletus luridiformis ist in unseren sauren Fichten-Tannenwäldern ein häufiger Röhrling aus der Familie der Dickröhrlinge (Boletaceae). Er lebt in Symbiose mit  Nadel- und Laubbäumen. Je nach Region wird er auch Schuster- oder Zigeunerpilz genannt.

Sein Hut ist dunkelbraun mit wildlederartiger Struktur. Auf der Hut-Unterseite besitzt er rote Poren (Röhrenmündungen), die Röhren selbst sind gelb. Auf Druck wird das gelbe Fleisch des Pilzes blau. Das Fleisch enthält Variegatsäure, die bei Luftzufuhr eine starke blaue Reaktion erzeugt. Das Blauen schreckt viele Menschen ab, den Speise-Pilz zum Verzehr mit nach Hause zu nehmen. Vielen Pilzsammlern ist nicht bekannt, dass bei Erhitzung des Pilzes sich die Blaufärbung wieder verliert.

Im Gegensatz zum Steinpilz ist er darüber hinaus auch selten madig.

Ein ähnlicher Pilz ist der Netzstielige Hexenröhrling Suillellus (Boletus) luridus auf basischen Böden. Er hat statt der roten Flocken eine rote Netzzeichnung auf dem Stiel. Man hat ihm lange Zeit eine unangenehme Reaktion im Zusammenhang mit Alkohol nachgesagt (Antabusreaktion), was jedoch inzwischen widerlegt wurde. Beide Hexenröhrlinge können nur gegart gegessen werden. Sie sind wie alle Pilze, Bohnen und Kartoffeln roh giftig. Nur Zuchtchampignons und geringe Mengen an Steinpilzen sind roh essbar.

Im Schwarzwald gibt es noch einen weiteren Dickröhrling, den attraktiven Schönfußröhrling Caloboletus calopus. Er ist im Bergland ein häufiger Pilz mit einem hellbeigen Hut, gelben Poren und einem gelb-roten Stiel mit roter Netzzeichnung. Bei Verletzung blaut er wie die Hexenröhrlinge im Fleisch. Trotz seines appetitlichen Aussehens ist er ein ungenießbarer Pilz, da er sehr bitter schmeckt. Seit geraumer Zeit wird ihm eine leichte Giftigkeit nachgesagt.

Der Satanspilz Rubroboletus satanas, der als Doppelgänger der Hexenröhrlinge gilt, ist ein Gift-Pilz. Er unterscheidet sich von den Hexenröhrlingen und dem Schönfußröhrling durch seine stattliche Größe und seinem bauchigen, mit einem roten Netz überzogenen Stiel. Der Hut ist weißlich-grau und bekommt im Alter grau-rosa Farbtöne. Auf der Unterseite hat er auffällig rote Poren, im  Fleisch blaut er nur schwach. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist sein stark unangenehmer Geruch. Er wächst in Symbiose mit Buchen und Eichen, besonders gerne in Parkanlagen auf Kalkböden. Im Gegensatz zu den Hexenröhrlingen ist er ein sehr seltener Pilz. Sein Gift löst heftige Magen-Darm Beschwerden aus. Todesfälle sind bisher keine bekannt.

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