Ortsgruppe Mittleres Kinzigtal

Naturphänomen „Haareis“ hat Hochsaison

 (Karin Pätzold)

Zurzeit kann man an vielen Stellen im Wald „Haareis“ beobachten. Das faszinierende Naturschauspiel ähnelt mit seinen gewellten Eisfäden gelocktem Greisenhaar. Doch wie entsteht so etwas? Die Wissenschaft hatte lange über diese Erscheinung gerätselt. Heute ist das Rätsel gelüftet: Es entsteht durch holzzersetzende Pilze. Bekanntermaßen können nur Pilze die Zellulose und das Lignin im Holz zersetzen und wieder zu Waldboden verarbeiten. Durch den Zersetzungsprozess im Holz entstehen chemische Vorgänge und somit Gase. Eine Witterung wie wir sie in den vergangenen Tagen hatten, mit viel Feuchtigkeit und darauffolgendem Frost, ist eine gute Voraussetzung, dass sich Haareis bildet: im nassen Holz herrschen höhere Temperaturen wie die Minusgrade der Außentemperatur. Angetrieben durch das Gas CO2 im Holz tritt Wasser aus den Holzporen aus und bildet unter Beteiligung des entsprechenden Mikroklimas diese bizarre und fädige Eisstruktur. Interessant dabei ist, dass Haareis nur an totem Laubholz vorkommt und auch nur von holzzersetzenden „Ständerpilzen“ (Basidiomyzeten) produziert wird. Nach neusten Erfahrungen eines Pilzfreundes von der Ostalb gibt es auch Haareis auf Pilzfruchtkörpern. Er hat im letzten Winter Haareis auf Austernseitlingen, holzzersetzende Pilze an Buche, fotografiert. Das Haareis konnte ich im Rubersbach und, angeregt durch einen Fotofreund, auch im Obergieß fotografieren.

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